Geschichte

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Fachdienste für Hörgeschädigte
Gegründet wurde die Beratungseinrichtung des Landesverbandes der Gehörlosen RLP e.V. im Jahre 1990 in Frankenthal. Zu jener Zeit hieß sie noch „Psychosozialer Dienst (PSD)“, abhängig von dem mittlerweile außer Kraft gesetzten Schwerbehindertengesetz. Sie unterstützte hörgeschädigte Menschen bei der Arbeitsuche und bei Problemen im Arbeitsleben. Damals wurden aber nur Mitglieder des Landesverbandes der Gehörlosen RLP e.V. beraten.

Frankenthal
Da es noch kein festes Büro gab, wurde jeden Mittwoch ehrenamtlich eine mobile Sprechstunde in Frankenthal im Haus der Jugend angeboten. Erst nach zähen Verhandlungen durch die damaligen Vorsitzenden des Landesverbandes der Gehörlosen RLP e.V., Herrn Robert Brück und Herrn Hubert Wilhelm, erhielt der PSD einen kleinen Zuschuss von der Hauptfürsorgestelle des Landes. Dank einer großen Spende der Aktion Sorgenkind (heute: Aktion Mensch) konnte sich der PSD im Jahr 1992 sogar ein erstes Dienstauto kaufen.
Die anderen Einrichtungen zur Unterstützung hörgeschädigter Menschen in Rheinland-Pfalz erhielten zu dieser Zeit bereits eine Regelförderung (einen regelmäßigen Geldbetrag) während der PSD des Landesverbandes nicht offiziell anerkannt wurde und keinen Zuschuss vom Land bekam. Eine weitere Mitarbeiterin auf halber Stelle in Neuwied entlohnte der Landesverband deshalb komplett aus verbandseigenem Geld.
Da sich unter diesen Umständen der PSD nicht erweitern konnte, versammelten sich am 6.11.1993 mehr als 200 hörgeschädigte Menschen zu einer Demonstration in Frankenthal, um für die Förderung und Anerkennung des PSD zu kämpfen. Der Landesverband legte außerdem eine Klage gegen das Land RLP ein und erhielt 1993 eine den anderen Trägern gleichgestellte finanzielle Förderung. Nun konnten auch hörgeschädigte Menschen betreut werden, die nicht Mitglied im Landesverband waren. Eine zusätzliche Mitarbeiterin in Neuwied und eine weitere in Frankenthal wurden mit jeweils einer halben Stelle eingestellt.
Zur Einweihung des neuen Kommunikationszentrums in der Carl-Spitzweg-Straße im Frühjahr 1993 zogen die beiden Mitarbeiterinnen des PSD in die dort geplanten Büroräume ein. Endlich hatte der PSD auch ein festes Büro. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist das Büro allerdings noch zweimal umgezogen, weil die Räumlichkeiten immer wieder zu eng geworden waren. Von 1995-2000 war das Büro in der Frankenstraße und zog im Dezember 2000 um an den heutigen Bürositz in der Karolinenstraße. In Frankenthal befindet sich die Leitung der Einrichtung mit einem 3-4-köpfigen Mitarbeiterteam. Außerdem befindet sich seit 2001 die Landesdolmetscherzentrale in der Karolinenstraße (siehe LDZ weiter unten).
Eine monatliche Sprechstunde in Kaiserslautern wird von den Kolleg/-innen in Frankenthal ausgeführt und findet im Gehörlosenzentrum Kaiserslautern statt.

Neuwied
Zeitgleich zu den ereignisreichen Entwicklungen in Frankenthal entstand eine Zweigstelle des PSD in Neuwied. Wie bereits oben angesprochen, wurde dort Anfang des Jahres 1993 eine Logopädin mit sehr guten Gebärdensprachkenntnissen eingestellt. Von ihr wurde eine mobile Sprechstunde in der logopädischen Praxis angeboten. Im September 1993, als bereits die zweite Neuwieder Kollegin eingestellt worden war, konnten endlich die ersten Büroräume in der Engerser Straße bezogen werden.
Im März 1996 wurden die Räumlichkeiten in der Engerser Straße zu eng, so dass das Mitarbeiterteam Neuwied in das Büro im Hofgründchen umzog, wo es heute noch ist. Im Team Neuwied arbeiten mittlerweile 6 Mitarbeiter/-innen.

Mainz
Ebenfalls im Jahr 1993 eröffnete eine Mitarbeiterin eine kleine Zweigstelle des PSD in Mainz. Die Büroräume waren damals dem Gehörlosenzentrum angegliedert. Im Laufe der Jahre wurde der Klientenzulauf immer größer, so dass eine weitere Kollegin eingestellt wurde und das Büro im März 2005 in den Heiligkreuzweg umzog, wo es sich heute auch noch befindet. Im Team Mainz arbeiten derzeit 3 Mitarbeiter/-innen.
Landau
In Landau begann der Ausbau der Beratungsarbeit des PSD Ende des Jahres 1994, so dass im laufenden Jahr 1995 feste Büroräume im Marienring angemietet wurden, in der eine Kollegin Unterstützung anbot. Von hier aus wurde eine regelmäßige mobile Sprechstunde in Pirmasens im Zentrum der Gehörlosen-Sportfreunde angeboten. Leider ergab es sich nicht, dass der PSD dieses Büro erhalten konnte, so dass es heute nur Sprechzeiten nach Terminvereinbarungen in Landau (Westring 3a) und Pirmasens (Schützenstraße 9) gibt, die ein/e Mitarbeiter/ -in aus Frankenthal anbietet.

Die Fachbereiche

ASB – Allgemeine Sozialberatung
Im August 1997 erweiterte der PSD sein Angebot um den Fachbereich „Allgemeiner Sozialer Dienst – ASD“. Hier konnten Betroffene Unterstützung bei Fragen erhalten, die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz standen. Aufgrund sprachlicher Neuregelungen nennt sich der Fachbereich heute ASB – Allgemeine Sozialberatung.

IFD - Integrationsfachdienst
Im Jahre 1998 wurde dem Landesverband der Gehörlosen RLP e.V. von der Landesregierung die anerkannte Trägerschaft eines „Integrationsfachdienstes“ für die Vermittlung von hörgeschädigten Menschen zugesprochen. Dies bedeutete eine stabile finanzielle Sicherung für die Beratungseinrichtung. Integrationsfachdienste wurden erstmalig im Oktober 2000 im Schwerbehindertengesetz gesetzlich verankert. Diese sollten Menschen mit Behinderungen bei der Arbeitsuche unterstützen. Da der PSD somit immer mehr Aufgabenbereiche in sich vereinte, nannte sich die Einrichtung nun „Sozialdienst“.

BBD – Berufsbegleitender Dienst
Mit der Einführung des SGB IX im Jahr 2001 wurde dem Integrationsfachdienst auch der Berufsbegleitende Dienst (BBD) gesetzlich als Aufgabe zugeschrieben. In diesem sollen Arbeitnehmer/ -innen mit Behinderungen an ihrem Arbeitsplatz begleitet werden, wenn dieses notwendig ist. Somit entstand wiederum  ein weiterer neuer Fachbereich mit einer eigenen stabilen Finanzierung.
Da es somit neben dem Integrationsfachdienst nun noch zwei weitere Aufgabenbereiche gab, erhielt der Sozialdienst seinen neuen Namen und nennt sich seither „Fachdienste für Hörgeschädigte“

LDZ – Landesdolmetscherzentrale
Am 4. September 2000 war die große Eröffnungsfeier der neuen Landesdolmetscherzentrale, zu der zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft geladen waren.
Nachdem die Gebärdensprache 2001 gesetzlich anerkannt wurde, war es die große Aufgabe, dieses Recht umzusetzen. Hierzu mussten Gebärdensprachdolmetscher/ innen im ganzen Land vermittelt werden. In Folge konnte die Landesdolmetscherzentrale aus Geldern des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen eines 5-jährigen Projektes eingerichtet werden. Innerhalb dieser fünf Jahre stiegen die Aufträge der LDZ so stark, dass neben einer Gebärdensprachdolmetscherin eine Verwaltungskraft eingestellt wurde, die mittlerweile auf 80% Stellenanteil arbeitet. Da aber auch im Umkreis von Neuwied ein immer größerer Bedarf an qualifizierten Gebärdensprachdolmetscher/ -innen zu verzeichnen war.
Nach der 5-jährigen Projektphase ist die Landesdolmetscherzentrale nun eine feste Institution. mit insgesamt vier Dolmetscherinnen.

SPFH – Sozialpädagogische Familienhilfe
Da immer mehr Familien auf die Einrichtung zukamen und um Unterstützung bei Erziehungsproblemen oder schulischen Auffälligkeiten ihrer Kinder baten, begann der Fachdienst schon vor 2003 in Frankenthal mit vereinzelten „Familienhilfen“. Diese werden von Amt für Jugend und Familie (früher: Jugendamt) im Einzelfall genehmigt und finanziert. Da immer mehr Familien Bedarf anmeldeten, auch im Umkreis von Mainz, konnte neues Personal eingestellt werden und es gründete sich 2003 das neue Arbeitsfeld „Hilfen zur Erziehung“. Dieses vereint die Sozialpädagogische Familienhilfe, die Erziehungsbeistandschaft und individuelle Einzelfallmaßnahmen.


Individuelle Angebote nach Bedarf
Die Fachdienste haben in ihrer langen Entwicklung auch verschiedene Einzelangebote gemacht. So gab es an verschiedenen Standorten in der Vergangenheit immer wieder Angebote an Gebärdensprachkursen. Mittlerweile verweisen die Fachdienste aber auf eine selbstständige Gebärdensprachschule und sind selbst nicht mehr Anbieter von DGS-Kursen.
Auf Anfrage bieten die Fachdienste auch verschiedene Einzelfallmaßnahmen gemäß der geltenden Sozialgesetzgebungen an. So sind wir in der Gebärdensprachförderung und im begleiteten Umgang tätig. Auch mit Fällen des betreuten Wohnens und des persönlichen Budgets sind wir betraut. In Neuwied bieten wir eine "psychosoziale Beratung" an, deren Kostenträger die Krankenkasse ist. Außerdem kann der Fachdienst Schulungen und Seminare zu abgesprochenen Themen (auch in Gebärdensprache) anbieten z.B. Bewerbungstraining, Mitarbeiterschulungen, Elternkurse.